Bindungsstile (sicher, ängstlich, ambivalent)

Seit etwa knapp 60 Jahren gibt es die so genannte Bindungsforschung. Diese beschäftigt sich mit den Einflüssen der frühen Bindungserfahrungen auf das Bindungsverhalten im Erwachsenenalter. Nach der am weitesten verbreiteten Bindungstheorie gibt es drei Bindungsstile:

 

*         Sicherer Bindungsstil

o   Erwartung von Glück, Freundschaft und Vertrauen

o   Romantische Gefühle werden grundsätzlich als stabil angesehen

o   Schwankungen im Verbundenheitsgefühl werden nicht „katastrophisiert“

o   Zuversichtlich und relativ unbelastet von Versagensängsten

o   Geringe Beeinträchtigung der Arbeitsleistung durch persönlichen Beziehungen
 

*         Ängstlich-vermeidender Bindungsstil

o   Angst vor Nähe, die mit emotionalen Höhen und Tiefen sowie Eifersucht verknüpft ist

o   Skepsis bzgl. der dauerhaften Qualität der Liebe

o   Schwierigkeiten, sich zu verlieben

o   Die Arbeit erfüllt den Zweck, soziale Interaktion zu meiden

 

*         Ambivalent-unsicherer Bindungsstil

o   Obsessive Beschäftigung mit der geliebten Person, starker Wunsch nach Vereinigung

o   Plötzliche Schwankungen zwischen emotionalen Extremen

o   Fähigkeit, sich leicht zu verlieben, aber Probleme, sich dauerhaft zu binden

o   Starke Beeinflussbarkeit durch Lob und der Angst vor Ablehnung

o   Starke Beeinträchtigung der Arbeitsleistung durch Beziehungsprobleme


Unser Bindungsverhalten wurzelt im frühen Kindesalter, bevor wir über Worte unsere Welt erfassen und strukturieren konnten. Kein Wunder also, dass wir in unseren Beziehungen manche unserer spontanen Verhaltensmuster nicht gut erklären können oder uns ihnen sogar hilflos ausgeliefert fühlen; z.B.

  • flüchten wir, obwohl wir uns stellen wollen.

  • kämpfen wir, wenn es nichts zu gewinnen gibt,

  • erstarren wir, ohne es zu wollen.

Symbiotische Bedürfnisse lassen uns manchmal intensiv nach Nähe suchen, Ängste vor Abhängigkeit lassen uns andererseits wieder fliehen. Im Ergebnis kann die absurd klingende Situation entstehen, dass sich ein oder beide Partner in ihrer Beziehung sowohl in der Distanz einsam fühlen als auch in der Nähe vereinnahmt.

Intakte Beziehungen entpuppen sich unter diesem Blickwinkel als ein gut integrierter Balanceakt zwischen Bindung und Autonomie bzw. Nähe und Distanz.

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