Alexithymie:

Von den Schwierigkeiten Gefühle wahrzunehmen und zu bennenen.

Unter Alexithymie versteht man die Unfähigkeit, Gefühle wahrzunehmen und zu beschreiben. Wörtlich ist „Alexithymie“ die Unfähigkeit, Gefühle zu lesen. Das Wort „Alexityhmie“ leitet sich aus dem Griechischen „lexis“ = „das Lesen“ und „thymos“ = „das Gefühl“ ab. Die Vorsilbe „A-“ verneint das Nachfolgende.

Der Begriff „Alexithymie“ wurde von dem Psychoanalytiker John Case Nemiah (1918-2009) und als Erstes von dem Psychiater Peter Emanuel Sifneos (1920-2008) im Jahr 1972 geprägt (Harvard gazette).

Der Psychoanalytiker Pierre Marty (1918-1993) führte hier die Begriffe „Pensée opératoire“ (1963) und „Dépression essentielle“ (1990), leere Depression, ein.

Alexithymie ist keine Krankheit, sondern ein gleichmäßig in der Bevölkerung verteiltes Persönlichkeitsmerkmal!

In der bislang größten deutschen Alexithymie-Studie haben Forscher der Universitäten Leipzig und Düsseldorf herausgefunden und veröffentlicht, dass das Phänomen auch hierzulande erstaunlich weit verbreitet ist – jeder Zehnte der über 1800 Teilnehmer wies deutliche Merkmale von Gefühlsblindheit auf, eher Männer als Frauen, eher Arme als Reiche, eher Geschiedene als Verheiratete.

Mögliche Gründe und Ursachen die zur Alexithymie führen können:

Die gegenwärtige, zugegeben schmale ERkenntnislage, legt die Vermutung nahe, dass im Gehirn alexithymer Menschen das limbische System nicht richtig mit dem präfrontalen Cortex vernetzt ist. Bei Angstzuständen, z. B. wenn wir eine für uns gefährliche Situation erblicken, schlagen die Amygdalen (Mandelkerne) Alarm: Das Herz schlägt schneller, Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet – wir flüchten vor der Gefahr. Im präfrontalen Cortex nehmen wir die Gefühle dann bewusst wahr. Dort erleben wir die Angst als Angst – und reflektieren, warum wir sie empfinden. Wird uns klar, dass die Gefahr vorüber ist, gibt diese Region Entwarnung. Wie in einem Dampfkessel wird der Überdruck abgelassen, der Affekt gedämpft.

Bei alexithymen Menschen funktioniert dies nur eingeschränkt oder nicht. Dieser „innere Druck“ führt, hält dieser lange genug an, zu sowohl somatischen medizinischen als auch psychosomatischen Erkrankungen.

 

 

Mögliche Wege/Auswege:

Fühlen und Benennen

Wenn wir ein Gefühl spüren, ist es das Eine, diesem Gefühl den „richtigen“ Namen zu geben aber das Andere. Oft handelt es sich ja um komplizierte Gefühlsmischungen oder Zustände, die sich mitunter nur schwer einordnen oder benennen lassen. Gefühle wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen, kann besonders auch dann problematisch sein, wenn wir uns durch eine strenge Erziehung (Dressur) nicht erlauben konnten, z.B. aggressive Gefühle zuzulassen.

Schmerzen werden totgemacht

Es kann auch sein, dass wir nach schlimmen Erlebnissen (Traumata) Schwierigkeiten haben, seelischen Schmerz zu spüren, weil es uns gelingt, unseren Schmerz vordergründig „auszuschalten“. Dies ist in einer Notsituation sehr hilfreich. Ist die Gefahr jedoch vorüber und der noch eben sehr hilfreiche Mechanismus läuft weiter, kann dieses „Weiterlaufen“ zu psychischem Leiden führen: Ängste, Zwänge, Arroganz (s.Narzissmus) oder Aggressionen können die Folge sein.

Wer nichts fühlt, für den wurde nie gefühlt

War es der Bezugsperson (Mutter, Vater …) nicht möglich, ihr Baby zu spiegeln und sich affektiv auf ihr Baby einzustimmen, kann das Kind seine Gefühle nicht kennenlernen. Wir sind als Baby und auch noch später jedoch ganz dringend auf diese Bezugsperson/en und deren Spiegelung angewiesen. Die Bezugsperson hat u.a. die Aufgabe die Gefühle des Babys zu beobachten, aufzunehmen, zu verstehen, zu verarbeiten, und zu spiegeln. Findet dieser Prozess nicht statt ist es für das Kind schwierig bis unmöglich, eigene Gefühle wahrzunehmen, zu benennen und zu kontrollieren. Hierbei kommen Gesicht und Augen eine besondere Rolle zu, doch natürlich können auch Blinde über Stimme und Körperspannungen Gefühle mit der Mutter austauschen und so ihre Gefühle kennenlernen. Manche Kinder hatten also erst gar keine Chance, ihre Gefühle kennenzulernen. Andere Kinder können ihre Gefühle sehr gut wahrnehmen und möglicherweise auch benennen, aber sie verdrängen diese Gefühle. Sie sagen, sie fühlten einfach nichts.

Auch das Mentalisieren – also das Nachdenken über sich und andere – ist traumatisierten Kindern oft kaum möglich, weil sie sozusagen ihr Wissen und ihre Denkfähigkeit ausschalten, um nicht mit der schrecklichen Wahrheit konfrontiert zu werden. Vordergründig sagen die Betroffenen, dass sie nichts fühlen und auch nicht „denken“ können.

Im Schutz von psychotherapeutischen Beratung, Therapie und eines geeigneten Trainings lassen sich doch ermutigende Fortschritte erzielen und so wagen und erlauben es sich immer mehr alexithyme Menschen, sich Gefühle zu gestatten und sie neu kennenzulernen. Die Bausteine der gemeinsamen Arbeit lassen sich so beschreiben: Wir arbeiten mit und an der emotionalen Kommunikation, es wird ein Zugang zu den verschütteten Emotionen aus der Kindheit erarbeitet, durchlebt und angeschaut. Um die eigenen Anteilen zurück zu gewinnen ist die sogenannte Arbeit am „innere Kind“ notwendig. Gleichzeitig werden Techniken zur Stressbewältigung erlernt um den „inneren Druck“ zu kontrollieren und ihn abzubauen. Hierfür sind die Körperwahrnehmungs-Übungen (z.B. Body-Scan) sehr hilfreich um die eigenen Empfindungen wieder selbst zu erfassen. Flankiert setze ich eine erweiterte Verhaltenstherapie, und gegeben Falls Hypnose ein.

Gerne helfe ich Ihnen auf Ihrem Weg zu den eignen Gefühlen!

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